Anolis sagrei (Brauner oder Bahamaanolis, Duméril & Bibron,
1837)
- Synonyme: Norops sagrai
Unterarten: Anolis sagrei ordinatus (Bahamaanolis), Anolis
sagrei sagrei (Kubanischer Brauner Anolis)
Familie: Sauria: Polychrotidae
Der Braune oder Bahamaanolis ist ein sehr
genügsamer und in seinem Verhalten interessanter Terrarieninsasse,
den ich aus meiner inzwischen über zweijährigen Erfahrung mit
diesen Tieren uneingeschränkt auch für Anfänger in der
Terraristik empfehlen kann. Beachtet man
einige wenige Grundregeln, so schenken einem diese Tiere viel Freude.
Vorkommen:
Ursprünglich war Anolis sagrei nur auf den
kubanischen
Inseln ansässig. Dank seiner Robustheit und
Anpassungsfähigkeit wurde er inzwischen aber auch auf dem
mittelamerikanischen Festland, anderen karibischen Inseln und in
Florida heimisch. Sogar in Texas existiert eine (unabhängige)
Population, die wissenschaftlich untersucht wurde.
A. sagrei, zweimal dasselbe Männchen aus ´94
Beschreibung:
Mit einer maximalen Gesamtgröße
von 20 cm (Männchen), bzw. 16 cm (Weibchen) gehört A. sagrei
zu den kleineren Arten der Familie der Anolis. Männchen und
Weibchen sind nicht
nur an ihrer Größe, sondern auch an ihrer Zeichnung leicht
voneinander
zu unterscheiden. Beide Geschlechter haben eine braune Grundfarbe. Die
Männchen
sind auf dem Rücken und den Flanken mit hellbraunen bis
dunkelgelben
Rauten und Winkeln gezeichnet. Ab der Schwanzwurzel verschwindet die
Zeichnung
langsam. Außerdem verfügen sie über den für die
Anolis
typischen Kehlfächer. Er ist orangerot mit kleinen schwarzen
Strichen
und außen gelb eingefasst. Auch die Weibchen verfügen
über
diesen Kehlfächer. Er bleibt aber deutlich kleiner und wird
praktisch
nie gezeigt. Die Zeichnung der Weibchen weicht deutlich von der der
Männchen
ab: Alle Weibchen verfügen über eine dunkelgelbe bis
weiße
Rückenlinie, die sich vom Kopf bis weit in den Schwanz zieht.
Beiderseits
dieser Linie zeichnen sich mehr oder weniger deutlich rechtwinklige
Dreiecke
ab, die sich mit den gegenüberliegenden Dreiecken zu Quadraten
verbinden.
Die Flanken sind einheitlich ohne Zeichnung in der Grundfarbe
gefärbt.
Die Bauchseite ist bei beiden Geschlechtern weiß bis beige
gefärbt.
Wie andere Anolis auch, ist A. sagrei in
der Lage
seine Färbung zu verändern. So verblassen die Farben z.B.
während
der Nachtruhe mitunter zu einem sehr hellen, schon fast fahlen braun,
bei
dem die Zeichnung aber erkennbar bleibt. Dagegen werden bei Erregung
die
Kontraste sehr viel stärker und es erscheinen auf dem ganzen
Körper
gelbe Punkte, die im "Normalzustand" nicht zu sehen sind. Dieser
Umstand
und die Fähigkeit, die Augen unabhängig voneinander zu
bewegen
haben diesen Anolis auch den Namen "Amerikanisches Chamäleon"
eingebracht.
Außerdem sind die Männchen in
der Lage,
bei Errergung ihren kleinen Nacken- und Rückenkamm aufzustellen.
(Weibchen) Rückenzeichnung (Männchen)
Haltungsbedingungen:
Wie bereits gesagt ist A. sagrei ein recht
genügsamer Pflegling. Trotz seiner geringen Größe
braucht er aber aufgrund seiner Aktivität ein relativ großes
Terrarium. Kleiner als B50xH50xT30 sollte es auf keinen Fall sein. Ich
halte mein Pärchen in einem größeren Becken
(100x50x50), in dem dann auch die Nachzuchten für eine Weile
untergebracht
werden können. Eingerichtet ist das Terrarium mit echten Pflanzen
(Efeu,
Efeutute und Drachenbaum) und reichlich Gelegenheiten zum Klettern
(Kletteräste
und Korkrückwand mit Vorsprüngen). Der Bodengrund besteht aus
einer
ca. sechs Zentimeter hohen Schicht aus (ungedüngter) Blumenerde
und
ist teilweise mit feiner Rindenstreu bedeckt.
Als Karibik-Bewohner mag er es
natürlich etwas wärmer. Die normale Tagestemperatur liegt
zwischen 24 und 28 °C.
In der Nachtphase sinkt die Temperatur auf 21 °C. Diese Werte sind
durch
ein Heizkabel in Verbindung mit einer Zeitschaltuhr leicht zu
erreichen.
Zusätzlich sollte man einen Strahler (40 oder 60 Watt)
installieren.
Er liefert nicht nur Wärme, sondern ermöglicht den Anolis
auch
das geliebte Sonnenbad. Eine Bestrahlung mit UV-Licht ist bei
ausreichender
Zugabe von Vitaminen nicht unbedingt nötig, wird aber empfohlen.
Am
besten eignen sich Leuchtstoffröhren mit 2 bis 5 %
UVB-Anteil.(Achtung:
UV-Strahlung durchdringt kein Glas!)
Die rel. Luftfeuchte liegt zwischen 40 und
70%. Erreicht wird die Luftfeuchte durch tägliches Besprühen
der Pflanzen. Das aufgesprühte Wasser wird auch gerne von den
Anolis aufgeschleckt. Trotzdem sollte noch ein flaches Schälchen
mit sauberem Wasser angeboten werden.
In der Zeit von Mitte November bis Ende
Januar verordne ich meinen Anolis ihre Winterruhe. Zu diesem Zweck
werden ab Anfang November die Beleuchtungsdauer (von 14 auf neun
Stunden) und die Tagesemperatur (von 24-28 auf 21 °C, nachts von 21
auf 20 °C) langsam heruntergeregelt. Außerdem verringern sich
auch die Zeiten, zu denen der Strahler in Betrieb
ist.
In dieser Zeit, die vor allem für den
Fortpflanzungstrieb wichtig ist, verringert sich die Nahrungsaufnahme
und auch die Aktivität der Tiere läßt merklich nach.
Wird während des Sommers noch
täglich gefüttert, so reicht in dieser Phase die
wöchentliche Fütterung fast aus.
Was das Futter angeht, so sind die Anolis
nicht sehr wählerisch. Sie fressen praktisch alles, was ihnen
vorgesetzt wird.
"Grundnahrungsmittel" meiner Anolis sind Heimchen in unterschiedlichen
Größen,
die regelmäßig mit Vitamin- und Mineralstoffpräparaten
bestäubt
werden. Gelegentlich (abhängig vom Händlerangebot) bekommen
sie
auch Mehlwürmer, Wachsmaden oder Fliegen in verschiedenen
Größen
(auf die fliegen besonders die Weibchen).
Wie alle Echsen häuten sich auch die
Anolis. In unregelmäßigen Abständen (4-10 Wochen,
beginnend nach der
Winterruhe) löst sich die alte Haut in drei Phase
(Kopf-Körper-Schwanz) ab. Die abgestreifte Haut wird von den
Anolis gefressen. So vermeiden sie den Verlust wichtiger Mineralstoffe
und Spurenelemente.
A. sagrei, Weibchen aus ´95
Sozialverhalten:
A. sagrei sollte unbedingt paarweise
gehalten werden. Die Männchen sind untereinander sehr agressiv und
verteidigen ihr Revier mit Ausdauer. Selbst in meinem relativ
großen Becken ist die Haltung mehrerer Männchen nicht
möglich. Das unterlegene Tier
wird so lange vom "Hausherrn" verfolgt, angegriffen und gebissen, bis
es
irgendwann die Nahrungsaufnahme einstellt und vor sich hinkümmert.
Selbst die Weibchen entwickeln
untereinander mit
der Zeit eine Art Feindschaft. Die Auseinandersetzungen werden zwar
nicht
mit der gleichen Härte und Ausdauer wie bei den Männchen
ausgetragen
aber dennoch rate ich von Gruppenhaltung ab.
In der Literatur wird oft vor dem
kannibalistischen Verhalten adulter A. sagrei gewarnt und empfohlen,
die Jungtiere separat aufzuziehen.
Diese Erfahrungen kann ich nicht bestätigen. Die winzigen
Jungtiere
werden von den Adulten kaum beachtet. Ein ausreichende Fütterung
vorausgesetzt,
wenden sich die Elterntiere erst gegen ihre Jungen, wenn sie eine
Größe
von ca. 10 cm erreichen. Ab dieser Größe werden sie wohl als
Konkurrenten
im Revier angesehen.
Ich halte meine Anolis in einem Artbecken.
Eine Vergesellschaftung mit etwa gleich großen grünen Arten
wie A. carolinensis
oder A. procatus ist nach Hesselhaus/Schmidt: "Karibische Anolis" aber
möglich.
Fortpflanzung:
Entscheidend für die Auslösung
des Fortpflanzungstriebes
ist die Winterruhe. Ähnlich wie wir Menschen werden diese Anolis
wieder
aktiv wenn es wärmer und die Tage länger werden. Nach einer
kurzen
Balzzeit, bei der er sie nach Anolisart annickt und ihr seinen
prächtigen
Kehlfächer zeigt, beißt er sich in ihrem Nacken fest und
beglückt
sie (siehe oben). Dieses Schauspiel ist fortan fast täglich (!) zu
beobachten.
Nach einer Tragzeit von etwa drei Wochen beginnt das Weibchen dann, den
Bodengrund
zu inspzieren. Ist eine geeignete Stelle (oft ein Blumentopf) gefunden,
so
gräbt das Weibchen ein ca. 5 cm tiefes Loch zwischen den Wurzeln
der
Pflanzen, in das ein oder zwei Eier einfach fallen gelassen werden.
Danach
wird das Loch wieder zugeschüttet und alles weitere Mutter Natur
überlassen. Genauso mache ich es auch (obwohl viele "Experten"
empfehlen, die Eier ()
in
einen Inkubator zu überführen). Ich habe damit bis jetzt nur
die
besten Erfahrungen gemacht, zumal sich die Nachtabsenkung der
Temperatur positiv
auf die Widerstandsfähigkeit der Jungtiere auswirkt.
Die Jungtiere schlüpfen bei mir nach
ca. sechs Wochen, verbleiben im Terrarium und werden mit Drosophila und
Mini-Heimchen aufgezogen. Es dauert allerdings zwei bis vier Tage,
bevor die Kleinen zum
ersten Male versuchen ein Beutetier zu erwischen. Innerhalb eines
knappen Jahres sind sie dann ausgewachsen und gechlechtsreif.
A. sagrei, Weibchen aus ´96, F1-Generation des
´95er Weibchens
Abschließend bleibt zu sagen,
daß die oben gemachten Aussagen auf den von mir gemachten
Erfahrungen beruhen und weder Vollständigkeit noch objektive
Richtigkeit garantiert werden können.
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